
Wann wird es endlich wieder Winter?
Vielleicht erinnern Sie sich an meinen Beitrag zum verregneten Sommer und den Schlager aus den 1970er-Jahren dazu.
Heute ist Montag und ich arbeite wieder im Schulbiologiezentrum. Der Parkplatz und das Gelände sind tief verschneit, noch schöner als die Male zuvor und ich suche nach dem Gedicht in dem von der verzauberten Welt in tiefen Schnee die Rede ist, finde es aber leider nicht.
Dafür fällt mir das Zitat von Mojib Latif ein, in dem er vor über 25 Jahren prophezeite, dass es schneereiche und kalte Winter nicht mehr geben würde und wie sich dieser Tage alle Klimaleugner’innen darauf stürzen und ihn und den kalten Januar als Beleg für die angebliche „Klimalüge“ ansehen.
An diesem Beispiel kann man zweierlei lernen. 1.) Das Zitate im Kontext gesehen werden müssen und 2.) dass ein Blick in die Statistik hilft die eigenen Gefühle von der nüchternen Wahrheit zu trennen.
Zu 1.) Das Zitat („Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben“ Mojib Latif vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie) ist korrekt, allerdings bezieht es sich nicht auf heute sondern auf die Zukunft in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts und unter der Maßgabe, „dass keine Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen werden.“. Zusätzlich wissen wir heute, dass sich die Frage der Stabilität der AMOC (verkürzt des Golfstroms, der „Heizung Europas“) stellt, welche mit größerer Wahrscheinlichkeit vieles auf den Kopf stellen würde.
Zu 2.) Heute ist der 26.1.2026, die Daten der Wetterstation Hannover sind bis gestern online. Die Wetterprognose für die letzten 6 Tage des Januars sagen alle Tage als Frosttage (Minimumtemperatur < 0°C), GFS 4 Tage, GEM alle Tage zusätzlich als Eistage (Maximumtemperatur < 0°C) vorher. Bis einschließlich gestern hatten wir dieses Jahr 19 Frost- und 8 Eistage), die Prognose addiert kommen wir für den Januar 2026 auf 25 Frosttage und maximal 14 Eistage.
Ist das rekordverdächtig? Keineswegs. Mit 14 Eistagen kämen wir immerhin unter die ersten 10 Jahre (Platz 1, 1940 mit 27 Eistagen, Platz 4, 2010 mit 21), mit den 25 Frosttagen auf Platz 13 (Platz 1, 1963 mit 31 Frosttagen, Platz 7, 2010 mit 28).
Unsere Tiere auf dem Gelände sind jedenfalls gesund und munter. Die Schafe haben ihr dickes Fell, die Vögel haben noch reichlich Früchte im „Vorratsschrank“ stehen, nehmen aber natürlich gerne Futter an.
Genießen Sie die Wintertage! Es werden nicht die letzten sein, aber doch deutlich weniger als wir „Boomer“ als Kinder erlebt haben oder unsere Eltern während und nach dem 2. Weltkrieg in ihrer Kindheit erleben bzw. erdulden mussten.
PS: In der Galerie finden Sie auch ein Foto des Apfeltriebs, jetzt im Schnee, den ich letzte Woche portraitierte.