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Vom Winter zum Frühling

Heute sitze ich im recht kühlen Büro des Schulbiologiezentrums, denn der Nachtspeicherofen hat nur eine sehr begrenzte Kapazität und etwas Wärme möchte ich gerne für die später eintreffenden Kolleginnen übriglassen. Wenn jetzt auch die letzten bürokratischen „Brocken“ aus dem Weg geräumt werden können, kann unser neues Gebäude errichtet werden und der Bericht im kommenden Jahr fällt anders aus.Trotz schneebedecktem Gelände und frischen Innentemperaturen möchte ich über den Weg vom Winter zum Frühling schreiben.
Angesichts der äußeren Witterungsverhältnisse scheint das. Aber der Frühling wird kommen und in 6 Wochen dürfte uns die Erinnerung an das schneebedeckte Hildesheim und das tiefwinterliche Gelände des Schulbiologiezentrums als ferne Erinnerung erscheinen.
Im Wesentlichen liegt das an der jetzt rasch zunehmenden Tageslänge. Betrug diese am 1.1. nur magere 7h51m, so dauert der Tag heute 9h11m und am 1.3. werden es 10h54m sein. Diese zusätzliche Energiemenge führt zu höheren Temperaturen auf der Nordhalbkugel der Erde (nicht zwingend direkt bei uns!), aber insbesondere das zusätzliche Licht lässt die Natur aus dem „Winterschlaf“ erwachen.
Sobald der Schnee weg ist, werden die Schneeglöckchen die Gunst der frühen Stunde (eher der frühen Tage) nutzen und ihre unscheinbaren Blüten ins Licht halten. Bis dahin kann es aber noch gut 10 Tage dauern, denn die Wetterprognosen lassen weiterhin kühle Temperaturen erwarten. GEM (das kanadische Wettermodell) zeigt fast durchgängig Dauerfrost an, GFS (der Dienst der USA) lässt dagegen über das Wochenende Tauwetter erwarten. Auch wenn sich mein Geldbeutel über etwas mehr Wärme nicht beschweren würde, so hofft mein inneres Kind auf weiteren Dauerfrost und einen für das Eislaufen geöffneten Hohnsensee.

Das obige Gemälde Gemälde von Hendrick Avercamp (1585–1634), etwa aus dem Jahr 1608, zeigt eine niederländische Winterlandschaft mit Schlittschuhläuferinnen und -läufern. Damals, noch vor der Industrialisierung, sanken die mittleren Temperaturen in Europa etwa 1°C-1,5°C unter die der Wärmeperiode des Mittelalters. Verstärkt wurde die Temperaturabnahme auch durch das beginnende Maunder-Minimum der Sonnenaktivität.
Der Temperaturunterschied im Jahresmittel, zwischen Heute und den Jahren in denen das Gemälde entstand, beträgt etwa 2,5°C, in der Tendenz rasch steigend.
Während die Niederlande im 17. Jahrhundert durch Expansion nach außen und Frieden nach innen ein „Goldenes Zeitalter“ erlebten, welches sich auch in einer ungeheuren Menge von Gemälden wiederspiegelt, versank Deutschland ab 1618 im 30-jährigen Krieg, von dessen Folgen es sich erst nach über 200 Jahren erholen sollte.
Welche Folgen dieser massive Wandel für uns bringen wird, lässt sich kaum absehen.
Was aber sicher helfen kann, ist eine gute Bildung und Verständnis für Natur, Umwelt und Klima. Dieser Aufgabe stellt sich das Schulbiologiezentrum und seine Mitarbeitenden an (fast) jedem Tag.