
Neulich hatte ich Gelegenheit einige Ähren zu ernten und die unterschiedlichen Getreidesorten (Weizen, Roggen und Gerste, Hafer war leider keiner mehr da) zu bearbeiten.
Das Ergebnis sieht man in den Fotos.
Während sich die Körner des Weizens und Roggens leicht vom Spelz (die das Korn umgebenden Blättchen) lösen, ist dies bei der Gerste nahezu unmöglich. Diese Eigenschaften hatten schon die ersten Getreidesorten, die vor über 10.000 Jahren aus den Wildformen gezüchtet wurden.
Der Unterschied liegt in der späteren Verarbeitung. Will man Getreidekörner zu Mehl verarbeiten (und anschließend zu Brei oder Brot), muss der Spelz entfernt werden. Will man dagegen Tiere füttern oder Bier brauen, so kann der Spelz dranbleiben, er erhöht so die Lagerfähigkeit, weil das Korn besser geschützt ist. Letzteres stand wohl früher im Vordergrund, denn die ersten Getreidesorten, Einkorn, Emmer und Dinkel, besitzen alle diese Eigenschaft und es gibt bis heute keine schlüssige Erklärung, wie unsere Vorfahren den Spelz vom Korn entfernten.
Bei der Gerste kommt noch eine zweite Schwierigkeit hinzu: Die Grannen. Diese sind sehr unangenehm gezackt und führen zu unangenehmen Verletzungen. Teile können sich in der Unterhaut verhaken und dort entzünden. Wer Hunde hat, wird sicher schon einmal beim Tierarzt gewesen sein um eine solche Entzündung an den Pfoten oder noch schlimmer am Auge behandeln zu lassen. Deshalb stand auch hier die Verwendung als Grundstoff zum Bier im Vordergrund. Der Bierkonsum in Deutschland ist allerdings in den letzten Jahrzehnten deutlich rückläufig, so dass der überwiegende Teil dieses Getreides heute zu Futterzwecken angebaut wird.
Bei den Fotos des Weizens kann man noch einen winzigen Käfer erkennen, der meine Prozedur des „Dreschens“ zwischen meinen Händen offensichtlich unbeschadet überstanden hat.